Phänomene des Führungsalltags, Psychologie der Führung

Konfliktvermeidung nährt den Konflikt

August 21, 2026

Zitatgrafik: Harmonie ist keine Alternative für Konflikte — sondern das Versteck.

Wir haben es doch gut miteinander!

Wenige Sätze nähren einen Konflikt so stark wie dieser.

Symptom: Pointiert gesagt gibt es zwei Sorten Geschäftsleitungen

  • Variante 1: Man gibt sich inhaltlich Saures, gleichzeitig schätzt und respektiert man sich.
  • Variante 2: Genau umgekehrt. Man geht sehr kontrolliert miteinander um, die Beziehungsgestaltung gleicht jedoch einem Minenfeld.

Gegenmittel

Die GL in Variante 1 lebt verbindliche Abmachungen, wie sie auf der Beziehungsebene miteinander umgeht. Genau dies ist der Schlüssel:

Definieren Sie ein Set von 4–7 Abmachungen. Diese sollen gemeinsam erarbeitet und periodisch überprüft werden. Wichtig: Abmachungen sind konkrete Handlungsanweisungen bei Konflikten, und nicht philosophisches Blabla.

  • Anstatt: „Wir respektieren uns“ → „Wir akzeptieren alle Standpunkte.“
  • Anstatt: „Wir vertrauen uns“ → „Wir halten uns an Abmachungen.“

Psychologischer Hintergrund

Zusammenarbeit hat immer diese zwei Ebenen: Inhalt und Beziehung. Konflikte gehören zum Alltag einer GL. Sie gehören jedoch zwingend auf die Inhaltsebene (Variante 1). Sobald Konflikte auf die Beziehungsebene wandern, wird die GL unwirksam (Variante 2).

Zwei Sorten CEO stecken mit ihrer GL am häufigsten im Harmonie-Minenfeld:

Die Harmoniebedürftigen: „Wir haben es doch gut“

Harmonie und Konfliktfreiheit ist ein utopischer Wunsch für die Zusammenarbeit in einer GL. Denn jede Organisation ist massiven Zielkonflikten ausgesetzt – und viele davon laufen in der GL zusammen. Das respektvolle Austragen von Konflikten auf einer sicheren Beziehungsbasis kann sich sehr inspirierend anfühlen. Frei nach dem Motto: „Ich werfe alle meine Überzeugungen in die Waagschale – und vertraue darauf, dass wenn dies alle andern auch tun, die beste Lösung entsteht.“

Jene mit „Gspürschmi-Fühlschmi-Allergie“

Solche CEOs verstehen unter Beziehungsgestaltung, gemeinsam ein Bier trinken zu gehen. Und wundern sich, dass sie in Variante 2 bleiben. Denn Beziehungsgestaltung ist eine nicht delegierbare Führungsaufgabe. Wer sie ignoriert, bleibt stecken.

Wirksame CEO stellen die Bedürfnisse der Organisation vor ihre eigenen. Die Organisation braucht eine sichere Beziehungsebene – auch wenn der Weg dahin unharmonisch und zwischendurch emotional ist.


Diese Blog-Serie zu Führungsfallen verdichtet Führungswissen aus dem Leadnow Beratungsalltag.

Quellen und weiterführende Hinweise: Die Inhalte basieren auf verdichtetem Führungswissen aus dem Leadnow Beratungsalltag.

Stark chronifizierten Konflikten ist mit obiger Anleitung nicht mehr beizukommen. Ab Konfliktstufe 3-4 (nach Fritz Glasl) lassen sich Konflikte nicht mehr aus eigener Kraft bändigen.

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